Venezuela treibt Tether-Nachfrage wegen Bolivar-Krise in die Höhe
In Venezuela steigt die Nachfrage nach Tether rasant, da die Inflation den Bolivar entwertet und US-Dollar fehlen.
In Venezuela ist der Kurs des Stablecoins Tether (USDT) auf Peer-to-Peer-Märkten innerhalb von 30 Tagen um rund 16 Prozent gegenüber dem Bolivar gestiegen. Die drittgrößte Kryptowährung profitiert von einer massiven Ausweitung der lokalen Geldmenge und dem streng rationierten Zugang zu physischen US-Dollarn über offizielle Banken.
Geldmenge des Bolivar verdoppelt sich
Die monetäre Liquidität Venezuelas hat Ende Mai die Marke von 2,11 Billionen Bolivar überschritten. Seit Januar hat sich die zirkulierende Geldmenge damit mehr als verdoppelt.
Diese rasante Ausweitung führt zu einem wachsenden Ungleichgewicht auf dem Währungsmarkt. Immer mehr Bürger suchen nach digitalen Wegen, um ihre Ersparnisse vor dem drastischen Wertverfall zu schützen.
Binance P2P wird zum wichtigsten Handelsplatz
Da offizielle Kanäle und die Zentralbank die hohe Nachfrage nach harter Währung nicht decken können, rationieren viele Banken ihre US-Dollar-Bestände. Bürger und Unternehmen bleiben dadurch oft vom traditionellen Währungstausch ausgeschlossen.
Als Ausweg weichen viele Nutzer auf P2P-Plattformen wie Binance aus. Dort hat sich der digitale Dollar als wichtigstes Tauschmittel im Einzelhandel etabliert und erreichte in der Spitze einen Kurs von 810 Bolivar pro USDT.
Stablecoin diktiert die Straßenpreise
Der Analyst Hever Castro beobachtet, dass die Lücke zwischen dem offiziellen Kurs und dem P2P-Markt mittlerweile den alltäglichen Handel bestimmt. Händler in den Märkten von Caracas nutzen den Kurs der an den US-Dollar gekoppelten Kryptowährung, um ihre Warenbestände neu zu kalkulieren.
Einige Händler rufen dabei Preise von bis zu 1.200 Bolivar pro Dollar auf. Die jüngsten Interventionen der Zentralbank zeigen laut Experten kaum Wirkung, weshalb die Differenz zwischen dem offiziellen Wechselkurs und dem dezentralen Markt vorerst bestehen bleiben dürfte.


