Märkte live 15:35 MEZ · Aktualisiert

JPMorgan-Analyse: Private Blockchains bedrohen Zukunft von Bitcoin

JPMorgan sieht die größte Gefahr für Bitcoin in der zunehmenden Nutzung privater Blockchains durch institutionelle Banken.

9. Juli 2026 · 18:36 · 2 Min. Lesezeit
JPMorgan-Gebäude im Hintergrund mit einer physischen Bitcoin-Münze im Vordergrund auf einem abstrakten Kurs-Chart

Die US-Großbank JPMorgan sieht die größte langfristige Bedrohung für Bitcoin (BTC) nicht in großen Firmen-Abverkäufen, sondern in der Adaption privater Blockchains. Laut einem aktuellen Investorenbrief birgt der Wechsel institutioneller Anleger hin zu internen, geschlossenen Netzwerken das wahre Risiko für die älteste Kryptowährung.

MicroStrategy-Abverkäufe sind nur ein Randthema

Noch Anfang Juli warnte JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou vor möglichen Liquiditätsrisiken durch das Softwareunternehmen MicroStrategy. Der Konzern hält aktuell rund vier Prozent des gesamten zirkulierenden BTC-Angebots.

Inzwischen bewerten die Analysten dieses Szenario jedoch als zweitrangig. Das weitaus größere Problem für das digitale Gold sei die traditionelle Finanzwelt, die Blockchain-Technologie zunehmend ohne öffentliche Netzwerke adaptiert.

Kinexys: Traditionelle Finanzwelt baut eigene Infrastruktur

Ein Paradebeispiel für diese Entwicklung ist JPMorgan selbst. Die Bank betreibt mit Kinexys eine zugangsbeschränkte Blockchain-Infrastruktur für den Zahlungsverkehr zwischen institutionellen Kunden.

Die interne Plattform hat bereits ein kumuliertes Transaktionsvolumen von über 4 Billionen US-Dollar abgewickelt. Etablierte Finanzinstitute nutzen somit erfolgreich die Vorteile der Distributed-Ledger-Technologie, ohne jemals mit öffentlichen Kryptowährungen zu interagieren.

Den aktuellen Markt für die Tokenisierung von Real-World-Assets (RWA) in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar werten die Experten lediglich als frühe Experimentierphase. Es sei unwahrscheinlich, dass institutionelles Kapital langfristig auf offenen Netzwerken verbleibt.

Regulierung könnte Banken zusätzlich stärken

Auch die erhoffte regulatorische Klarheit könnte Bitcoin laut dem Bericht nicht den gewünschten Schub verleihen. Die Analysten warnen davor, dass selbst die Verabschiedung des US-amerikanischen CLARITY Acts die strukturellen Herausforderungen von BTC nicht lösen dürfte.

Stattdessen würde ein klarer Rechtsrahmen die Ausgabe tokenisierter Einlagen durch traditionelle Banken beschleunigen. Diese bankeneigenen Lösungen könnten öffentliche Blockchain-basierte Stablecoins langfristig vom Markt verdrängen.

Gregor Kaufmann · Redakteur
Bei dcc.finance seit 2024

Reporter bei dcc.finance.

Ähnliche Artikel

MicroStrategy verwaltet 54 Milliarden US-Dollar schweren Bitcoin-Schatz

Japans „Invest Locally“-Plan steigert Nachfrage nach Bitcoin und Gold

Wells Fargo offenbart hohe Bitcoin-, Ethereum- und Solana-Bestände