IWF-Studie: Tether und Stablecoins können Währungskrisen beschleunigen
IWF-Studie warnt: Dollar-Stablecoins wie Tether erleichtern den Devisenzugang, können aber Währungsfluchten auslösen.
Ein neues Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) analysiert die doppelte Rolle von Dollar-Stablecoins wie Tether (USDT) in Schwellenländern. Zwar erleichtern die digitalen Assets den Zugang zu Fremdwährungen, sie können jedoch in Stressphasen eine massive Kapitalflucht aus lokalen Währungen beschleunigen.
Schneller Zugang zu US-Dollar birgt Risiken
Der Ökonom Brandon Joel Tan modelliert in seiner IWF-Studie, wie sich Stablecoins auf parallele Devisenmärkte auswirken. Dies geschieht insbesondere dort, wo der offizielle Zugang zu US-Dollar durch den Staat rationiert ist.
Die an den US-Dollar gekoppelten Token machen entsprechende Werte für die Bevölkerung leichter zugänglich. Gleichzeitig schaffen sie einen sichtbaren, hochfrequenten Preisindikator für die lokale Dollar-Nachfrage.
Weicht der offizielle Wechselkurs eines Landes stark vom Marktpreis ab, signalisiert dieser Krypto-Kurs eine wachsende Dollar-Knappheit. In der Folge könnten laut der Studie viele Menschen gleichzeitig aus der lokalen Währung fliehen. Regulierungsbehörden müssten daher möglicherweise temporäre Limits für panikgetriebene Transaktionen einführen, um das System zu stützen.
USDT als inoffizielle Leitwährung in Südamerika
Die Erkenntnisse des IWF spiegeln die aktuelle Realität in Ländern mit starken Devisenkontrollen wider. In Bolivien nutzen Händler am Flughafen bereits Tether als verlässliche Preisreferenz für ihre Waren.
Auch in Argentinien florieren sogenannte Krypto-Höhlen auf dem Schwarzmarkt. Dort tauschen Bürger den stetig abwertenden Peso gegen Dollar-Stablecoins, um ihre Ersparnisse vor der massiven Inflation zu schützen.
Warnung vor Schwächung der Geldpolitik
Trotz der offensichtlichen Vorteile für die Bevölkerung sehen internationale Aufsichtsbehörden wachsende systemische Gefahren. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) warnte kürzlich davor, dass an den Dollar gekoppelte Kryptowährungen Schwellenländer besonders anfällig machen.
Zu den Hauptrisiken zählen die unkontrollierte Währungssubstitution und die Umgehung von nationalen Kapitalverkehrskontrollen. Der FSB drängt Gesetzgeber weltweit dazu, die Liquiditätsrisiken des Stablecoin-Sektors im Zusammenspiel mit dem traditionellen Finanzsystem strenger zu überwachen.


