USBC Inc.: Vom Sensor-Startup zur Bitcoin-Firma durch Insider-Deal
1.000 Bitcoin vom eigenen CEO machten ein Sensor-Startup zur Krypto-Firma. Die Warnsignale des Deals häufen sich.
Im August 2025 kaufte sich ein Insider mit 1.000 Bitcoin bei einem strauchelnden Diagnostik-Unternehmen ein. Heute heißt die Firma USBC Inc., notiert an der NYSE American und betreibt kein eigenes operatives Geschäft mehr. Der Fokus liegt stattdessen auf Token-Einlagen und Krypto-Krediten. Die Geschichte des Umbaus zeigt exemplarisch, wie aktuell Unternehmen den Krypto-Markt nutzen, um sich neu zu erfinden.
Der 1.000-Bitcoin-Pivot
Laut den offiziellen SEC-Filings von USBC (zuvor Know Labs) investierte die Gesellschaft Goldeneye 1995 LLC am 6. August 2025 exakt 1.000 Bitcoin sowie 15 Millionen US-Dollar in bar in das Unternehmen. Im Austausch dafür wurden 357,8 Millionen Stammaktien ausgegeben. Hinter Goldeneye steht Greg Kidd, der Chairman und CEO des Unternehmens. Ein Insider sitzt bei dieser Transaktion auf beiden Seiten des Tisches.
Nach dem Deal folgte die schnelle Neuausrichtung. Das Unternehmen benannte sich in USBC Inc. um und wechselte das Ticker-Symbol zu USBC. Am 27. März 2026 wurde das ursprüngliche Diagnostik- und Sensorgeschäft vollständig veräußert. Der Konzern verlagerte sein Geschäftsjahr auf das Kalenderjahr und reichte Ende März 2026 seinen Übergangsbericht ein. Heute stützt sich die Liquidität der Firma nicht auf einen operativen Cashflow, sondern auf eine Bitcoin-besicherte Kreditlinie und weitere Finanzspritzen des Insiders. Goldeneye gewährte dem Unternehmen ein zusätzliches Darlehen über 22 Millionen US-Dollar.
Warnsignale in den Akten
Das angekündigte Kernprodukt der neuen USBC Inc. ist ein sogenanntes „USBC Tokenized Deposit Network“, das auf Einlagen der Vast Bank basieren soll. Dieses Netzwerk ist laut den Akten noch nicht kommerziell gestartet. Zeitrahmen und Kosten für die Markteinführung gelten offiziell als ungewiss. Das Unternehmen nutzt stattdessen eine Bitcoin-Rendite-Strategie, um Erträge zu generieren.
Zahlreiche Fragen zu dem Konstrukt bleiben unbeantwortet. Aus den Dokumenten geht nicht hervor, wer den Preis festlegte, zu dem die 357,8 Millionen Aktien gegen die 1.000 Bitcoin und das Bargeld ausgegeben wurden. Ebenso offen ist, ob unabhängige Direktoren diesen Deal mit dem eigenen CEO geprüft oder genehmigt haben. Die genauen Konditionen des 22-Millionen-Dollar-Darlehens, wie Zinssätze und gestellte Sicherheiten, sind unklar. Die SEC-Dokumente deuten zudem auf eine schwierige Vergangenheit hin: Sie erwähnen behördliche Vorladungen, wesentliche Schwächen in der Rechnungslegung und frühere Delisting-Verfahren, ohne diese im Kontext der aktuellen Transaktion detailliert zu erklären.
Der Unterschied zu echten Firmenkäufen
Wenn Unternehmen ihr operatives Geschäft abstoßen, um als Krypto-Holding aufzutreten, ziehen sie oft Anleger an, die bequemes Exposure suchen. MicroStrategy agiert als „Bitcoin Development Company“ und nutzt die echten Einnahmen sowie die Kreditfähigkeit seines etablierten Softwaregeschäfts aktiv, um seine Krypto-Bestände aufzubauen. USBC fehlt genau dieser operative Motor.
Die Firma verbrennt Kapital für ein unfertiges Produkt und hängt vollständig am Tropf ihres eigenen Geschäftsführers. Wer über solche Aktien indirekt in den Krypto-Markt investieren will, tauscht das Risiko des direkten Haltens gegen handfeste Unternehmensrisiken ein. Ein Ticker an der Börse allein macht ein Konstrukt weder transparent noch zukunftssicher.


