Bitcoin gerät unter Druck: ETF-Abflüsse und US-Zinsen belasten Kurs
Massive ETF-Abflüsse und historisch hohe US-Anleiherenditen setzen den Bitcoin-Kurs aktuell stark unter Druck.
Die größte Kryptowährung steht aktuell unter enormem makroökonomischem Druck. Massive Abflüsse aus US-Spot-ETFs kollidieren mit stark steigenden Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Laut einer aktuellen Umfrage der Bank of America meiden institutionelle Investoren den Anleihemarkt derzeit in historischem Ausmaß.
Zinswende setzt risikoreiche Assets unter Druck
Fondsmanager reduzieren ihre Anleihebestände drastisch. Das Portfolio-Untergewicht bei Bonds erreichte im Mai netto 44 Prozent.
Dies entspricht der extremsten Positionierung seit Juni 2022. Gleichzeitig schichtete das smarte Geld massiv in globale Aktien um, während die Barreserven der Manager auf 3,9 Prozent fielen.
Die Umschichtung weg von festverzinslichen Wertpapieren hin zu Risiko-Assets erfolgt in einem rasanten Tempo. Rund 40 Prozent der befragten Finanzprofis sehen eine zweite Inflationswelle als das größte Marktrisiko an.
Warum das digitale Gold jetzt leidet
Steigende Zinsen auf dem traditionellen Markt schaffen ein direktes Problem für BTC. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte kürzlich auf über 4,66 Prozent.
Da der Vermögenswert selbst keine Zinsen abwirft, sinkt seine Attraktivität im Vergleich zu den nun lukrativeren, sicheren Häfen. Wenn Renditen steigen, verschärfen sich die Kreditbedingungen, und Kapital verlässt oft risikoreiche Anlagen.
Als hochliquider Markt, der rund um die Uhr geöffnet ist, fängt der Krypto-Sektor diese Verkaufswellen traditionell als erstes ab. Das erklärt die aktuelle Kursentwicklung, bei der der Preis um die Marke von 77.000 US-Dollar pendelt und die wichtige Unterstützungszone bis 75.000 US-Dollar testet.
Milliarden-Abflüsse aus Bitcoin-ETFs
Eigentlich sollten die neuen Indexfonds den Markt vor exakt diesen makroökonomischen Schocks schützen. Die Realität der vergangenen Tage zeichnet jedoch ein anderes Bild.
Daten von Farside Investors zeigen für Mitte Mai tägliche Netto-Abflüsse von bis zu 648,6 Millionen US-Dollar. Innerhalb von nur zehn Tagen zogen Anleger insgesamt 1,6 Milliarden US-Dollar aus den US-Anlageprodukten ab.
Die institutionelle Nachfrage ist zwar weiterhin existent, kann den plötzlichen Zins-Schock aber nicht in Echtzeit neutralisieren. Langfristig profitiert das dezentrale Netzwerk zwar von den strukturellen Problemen der US-Staatsverschuldung, kurzfristig bleibt es den Schwankungen der Wall Street jedoch schonungslos ausgeliefert.


