TruGolfs Polymath-Übernahme: Neue CFO führt auch die Zielgesellschaft
TruGolf übernimmt Polymath. Der Krypto-Deal birgt einen massiven Interessenkonflikt bei den Führungspositionen.
Der Golf-Simulator-Hersteller TruGolf Holdings übernimmt die Tokenisierungs-Firma Polymath Research. Das Unternehmen besetzt dabei seinen Finanzvorstand mit der amtierenden Chefin der Zielgesellschaft. Dieser Schritt schafft einen massiven Interessenkonflikt in einer laufenden Transaktion, deren Bewertungsgrundlage derzeit nicht überprüfbar ist.
Laut einem aktuellen SEC-Filing schloss TruGolf den Übernahmevertrag für Polymath über eine kanadische Tochtergesellschaft Mitte August 2026 ab und änderte ihn am 8. September noch einmal. Am 8. Oktober ernannte das Unternehmen Natalie Hirsch zur neuen Finanz- und operativen Chefin (CFO und COO). Hirsch bleibt laut den Unterlagen gleichzeitig Interims-CEO von Polymath. Zuvor war sie bereits zwei Jahre lang Finanzchefin der Tokenisierungs-Firma und arbeitete vier Jahre lang im operativen Geschäft der kanadischen Krypto-Börse Coinsquare.
Der bisherige TruGolf-Finanzchef Steven Passey rückt im Zuge der Umstrukturierung ab. Er übernimmt laut Mitteilung künftig die Rolle des Vice President für die Finanzen der reinen Golf-Sparte.
Komplexe Finanzierung und Interessenkonflikt
Wir sehen bei diesem Deal deutliche Warnsignale. Eine frisch berufene Insiderin aus dem übernommenen Unternehmen kontrolliert als CFO des Käufers nun die Struktur genau dieses Deals. Ob vertragliche Schutzmechanismen existieren, die diese Doppelrolle absichern oder offenlegen, geht aus den Dokumenten nicht hervor.
Die Finanzierung der Übernahme stützt sich laut Bericht auf eine mehrfach verschachtelte Struktur aus Vorzugsaktien der Serien A, B und C sowie Optionsscheinen. Wiederholte Vertragsänderungen und Verzichterklärungen deuten auf komplizierte Nachverhandlungen hin. Stand 8. Oktober 2026 stehen allein Series-A-Vorzugsaktien im Nennwert von rund 3,49 Millionen US-Dollar aus.
Offene Fragen zur Bewertung
Wichtige Metriken zur Einordnung des Kaufs fehlen bislang völlig. TruGolf hat laut SEC-Unterlagen bis zu 71 Tage Zeit, die Pro-forma-Zahlen und Finanzdaten des übernommenen Unternehmens nachzureichen. Das bedeutet: Die Bewertungsgrundlage der Transaktion ist aktuell ein Blindflug.
Völlig unklar bleibt, auf welcher Basis der Gegenwert für Polymath in Vorzugsaktien festgelegt wurde und wie stark die Ausgabe bestehende Aktionäre verwässert. Offen ist ebenfalls, welche realen Umsätze Polymath im Bereich der Tokenisierung tatsächlich erzielt oder ob TruGolf hier lediglich ein Konzept kauft. Solange diese Zahlen nicht auf dem Tisch liegen, entzieht sich die Seriosität der Übernahme jeder Überprüfung.


